Fiat 124 Spider: Gelegentlich grüßt das Murmeltier

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    • Fiat 124 Spider: Gelegentlich grüßt das Murmeltier

      Kehre um Kehre wird der Fiat 124 Spider in die Höhe dirigiert: Als ausgesprochen kurvenfreudig entpuppt sich das Fahrwerk des Roadster, als annahmewillig der hauseigene 140-PS-MultiAir-Turbobenziner.



      Livinallongo del Col di Lana – Zuletzt gab sich Fiat betont nüchtern: Konzernlenker Sergio Marchionne brachte mit ruhiger Hand und scharfem Gegenwind zum Trotz die Fusion mit dem angeschlagenen amerikanischen Autohersteller Chrysler über die Bühne; beim Baureihenprogramm folgte eine Ausdünnung, die Konzentration galt kleinen Modellen, Nutzfahrzeugen und dem Erdgasantrieb; und selbst der Imageträger Cinquecento, seit 2007 erfolgsträchtig im Sortiment, erhielt im Vorjahr nur ein Mini-Update. Und so mutet es irgendwie als Irrläufer an, dass die Zuständigen im Unternehmen so ein Projekt wie den 124 Spider durchsetzen konnten – zumal im Cabriolet-Markt die Luft zunehmend dünner wird, die Nachfrage geht kontinuierlich zurück.
      Fiat, der grassierenden Nüchternheit offenbar langsam leid, ließ sich vom zweisitzigen Roadster nicht abbringen. Auf das Kalkulieren vergaßen sie aber auch nicht – sie schnappten sich ein Erfolgsrezept von Mazda. Die Japaner sind seit zweieinhalb Jahrzehnten mit dem MX-5 bestens unterwegs.
      Der Roadster, inzwischen in vierter Generation präsent, bildet weitgehend die Basis für den Fiat-Flitzer – auf bloßes „Badge Engineering“ (Aufkleben des eigenen Markenlogos auf ein Produkt eines anderen) ließ sich Fiat allerdings nicht ein: Der Karosserie gaben die Italiener frischen Zunder, unter der lang gezogenen Motorhaube verbauten sie einen hauseigenen Motor, den 1,4-Liter-MultiAir-Turbobenziner.

      Der breite Kühlergrill hebt sich deutlich vom Mazda-Cousin ab, beim Aggregat wird dies noch offensichtlicher: Während die Japaner auf Aufladehilfen bei ihren beiden Benzinmotoren verzichten, setzt Fiat auf den Turbo – und der bereitet im Dolomitenrevier noch einen Hauch mehr Freude als die beiden Skyactiv-Triebwerke der Asiaten. Denn das satte Drehmoment von 240 Newtonmetern liegt früh an, das Ansprechverhalten auf Gaspedalbefehle erfolgt Zug um Zug.
      Lediglich 7,5 Sekunden benötigt der 124 Spider für die Beschleunigung von null auf 100 km/h. Das ist schon gut, mehr Eindruck schinden aber die hohen, stabil zu fahrenden Kurventempi – der Mix aus vorzüglich-direkter Lenkung, Hinterradantrieb, geringem Fahrzeuggewicht, knackiger Sechsgang-Handschaltung und überraschungsfreien Eigenlenkverhalten machen die asphaltierte Alpintour zum Genuss, den der Durchschnittsverbrauch von 7,9 Litern je 100 Kilometer keinesfalls trüben kann.
      Dank des watscheneinfach und blitzschnell mit zwei, drei Handgriffen zu öffnenden Stoffverdecks erhöht die Extra-Prise frische Luft das Fahrvergnügen und verschafft uns die Möglichkeit, auf 2000 Metern Seehöhe das warnende oder grüßende Pfeifen von Murmeltieren zu vernehmen.
      Die Natur hat ihre stete Beachtung verdient, die Mitgift des 124 Spider auch. Der Testwagen leuchtet außen mit LED-Frontscheinwerfern samt adaptivem Kurvenlicht (Teil des optional erhältlichen Sichtpakets, 1452 Euro extra), innen mit einem mittig platzierten Sieben-Zoll-Bildschirm, Teil des Multimedia-Pakets (1023 Euro extra). Was das Navigationssystem (Premiumpaket, 818,40 Euro) und das Bose-Audio-System (712,80 Euro) von sich geben, überzeugt im Großen und Ganzen, lediglich bei der Spracherkennung wollte sich nicht die gewünschte Zusammenarbeit einstellen.
      Keinen Aufpreis, sondern ab der Ausstattung Lusso (29.990 Euro) liefert Fiat den 124 Spider mit Ledersitzen aus, die Beheizung kostet aber extra (343,20 Euro), die Parksensoren hinten (356,40 Euro) kann man anschaffen, muss es aber nicht. Die verschiedenen gewählten Optionen tragen dazu bei, dass der italienische Roadster mit den japanischen Genen etwas mehr als 35.000 Euro kostet.
      Wer auf Ledersitze, Klimaautomatik, 17-Zoll-Leichtmetallräder und zwei Auspuff-Endrohre verzichten kann, der darf bereits ab 27.490 Euro in die Basisversion des 124 Spider einsteigen und sich dem zu empfehlenden Roadster-Spaß auf mitteleuropäischen Gebirgsstraßen hingeben. Und der Kauf eines solchen Modells bereitet selbst kühlen Fiat-Controllern einen Spaß.
      [Tiroler Tageszeitung]
      Pessimisten stehen im Regen, Optimisten duschen unter den Wolken.

      Mein Auto: 500X OFF ROAD 1.6 E-torQ, Panda Lounge 1,2 8V